,

Wolfgang Binz im Gespräch mit Christian Streifeneder – Streifly Grabenstetten

WB: Wie bist Du zur Fliegerei gekommen?

CS: Obwohl ich über meinen Vater Hanko von frühester Jugend an mit dem Segelflug in Kontakt war hat mich als Jugendlicher zunächst der Modellbau mehr fasziniert. So bin ich erst mit 14 Jahren  zum Segelflegen gekommen und hab anfangen zu fliegen. Später kam dann der Motorflug hinzu, natürlich auch im Rahmen der Piper Cup Staffel, der Bravo Lima Staffel, die an die Burda Staffel erinnert.
(Anmerk.: Hanko war vor seiner Zeit bei Glasflügel bei der Burda-Staffel Pilot bis diese 1973 aufgelöst wurde)

Irgendwann reizten mich dann auch fliegerische Dinge, die sich nicht mit einer Piper Cub anstellen lassen und so habe ich die Kunstflugberechtigung erworben. Als Folge davon haben wir dann als „Freizeitbeschäftigung“ ein Kunstflugzeug ganz in CfK gebaut, die Votec. Heute fliege ich leider nicht sehr viel, weil der Beruf mir nur wenig Zeit dazu lässt. Wenn, dann am liebsten mit meiner Std. Libelle 201 B.

WB: Du hast mit Deinem Vater zusammen viele einzigartige Flugzeuge konstruiert und gebaut. Das ging für Dich ja schon als 10-jährigem beim Formenbau des Falcon Deines Vaters los, dem damals wohl besten Flugzeug der Standardklasse. Aber was ist aus Deiner heutigen Sicht das bedeutendste Eurer Projekte?

CS: Da gab es wirklich eine ganze Reihe toller Herausforderungen, wie z.B. die Votec, ein Kunstflugzeug, das mit einem 200 PS Motor die Leistungen der Extra 300 erreicht. Auch die für Bruno Gantenbrink gebaute Nimeta war ein tolles Projekt, zumal ich dafür noch einen komplett neuen Außenflügel entwickeln und bauen durfte.

Aber am meisten hängt das Herz an der Concordia von Dick Butler. Entgegen manchen Darstellungen hat Dick das Flugzeug wirklich überwiegend allein gebaut, eine ungeheure Leistung. Wir durften bei einigen schwierigen Abläufen mitwirken, so u.a. beim Bau der Klappen und Querruder, die in der ursprünglich angedachten Bauweise gar nicht hätten gebaut werden können. Auch bei der Holmwicklung konnte ich ein großes Problem mit der Anwendung der Vakuuminfusion lösen, weil andernfalls die Wicklung so dick geworden wäre, dass die Flügel nicht mehr zusammengepasst hätten. Und dann ist es toll die Concordia jetzt noch mit einem von uns entwickelten elektrischen Turboantriebssystem nachrüsten zu können.

WB: Neben solchen Top-Projekten steht Streifly aber auch für die Musterbetreuung der Flugzeuge von Eugen Hänle und seiner Firma Glasflügel. Was ist da nach mehr als 40 Jahren Deine Erwartung an die Zukunft?

CS: Die Betreuung der Glasflügel-Flugzeuge und die Sicherstellung der Ersatzteilversorgung ist uns schon immer ein Herzensanliegen. Wir werden auch in Zukunft alles versuchen, um die Flugzeuge lufttüchtig zu halten, indem wir schauen was nach so langer Zeit einer besonderen Kontrolle und Obhut bedarf.

Neben der Musterbetreuung haben wir immer versucht einige technische Fortschritte für die Flugzeuge von Eugen Hänle verfügbar zu machen. So haben wir für die Std. Libellen einen Rumpf-Flächen-Übergang entwickelt und zugelassen, der tatsächlich eine Verminderung der Kreisfluggeschwindigkeit ermöglicht. Auch sind für viele Muster Winglets entwickelt worden, die zu noch angenehmeren Flugeigenschaften führen. Erst seit kurzem sind die Winglets für die Std. Libelle in einer neuen, modifizierten Form verfügbar, die etwas besser als die Vorgänger sein dürften.

Aber ich muss auch sagen, dass manche von uns angedachten Weiterentwicklungen leider nicht realisiert wurden, weil die Resonanz aus dem Kundenkreis so gering war, dass die Entwicklungs- und Zulassungskosten nicht wieder eingespielt worden wären. Ein Beispiel dafür sind die Spannweitenvergrößerung und die Winglets beim Kestrel.


WB: Im Tagesgeschäft bist Du mit der Prüfung und Reparatur von Segelflugzeugen aller Typen und Hersteller beschäftigt. Welche Erfahrungen kannst Du aus dieser Tätigkeit  weiter geben

CS: Wenn Flugzeuge das erste Mal zu uns kommen sehen wir immer wieder Segelflugzeuge bei denen irgendwer, häufig ein Vorbesitzer, mehr oder weniger große Änderungen vorgenommen hat, die dann manchmal nicht zugelassen sind oder gar gefährlich werden können. Das geht soweit, dass uns ein Mosquito untergekommen ist bei dem der originale Hauptbolzen wohl verloren gegangen war und man einen selbstgemachten Hauptbolzen verwendete, der dann auch noch nicht weit genug in die Augen der Flügel hineinreichte, weil man den Griff nicht abgewinkelt hatte. Der ahnungslose Halter ist damit längere Zeit geflogen!

Ein anderes Flugzeug hatte im Flügel Bleistangen, die dort mit Bauschaum festgeklebt worden waren. Man sollte also bei der Jahresnachprüfung nicht ausschließlich darauf achten, dass die Papierlage in Ordnung ist, sondern dass das Flugzeug selbst auch dem Musterstand entspricht und technisch einwandfrei ist.

Man sieht auch immer wieder, dass Halter Maßnahmen für Wartung oder Reparatur an ihren Flugzeugen selbst durchführen wollen und bei uns nach Unterstützung und Anleitung nachfragen.
Wir helfen da selbstverständlich immer gerne, aber wenn ich das mal so sagen darf: Wenn nach einiger Zeit bei solchen Vorhaben fünf e-mails hin-und hergegangen sind, ohne dass alles klar ist und funktioniert, dann würde ich einfach raten das Flugzeug bei uns vorbei zu bringen.

WB: Was ist für Dich und für Streifly die größte Herausforderung für die Zukunft?

CS: Da ist zum einen die stetig anwachsende Bürokratie zu nennen! Als Außenstehender glaubt man gar nicht wie viel Zeit und Geld wir investieren müssen, um überhaupt Flugzeuge prüfen, reparieren und herstellen zu dürfen. Das geht über die jährliche Eichung von vielen, vielen Werkzeugen und Geräten bis zur Erstellung von immer neuen Handbüchern für die Behörden, mit denen beschrieben werden soll, wie wir arbeiten. Dabei wird die Qualität der Arbeit und daraus folgend die Flugsicherheit sicher nicht per „Handbuch der neuesten Version“ gesteigert.

Die zweite nicht minder große Herausforderung ist der Umstand, dass sich immer weniger Menschen für eine berufliche Tätigkeit in einem Luftfahrttechnischen-Betrieb begeistern. Wer also Lust hat die Fliegerei auch zum Mittelpunkt seines Berufslebens zu machen und dann noch Begeisterung mitbringt, der ist bei uns auf jeden Fall richtig und sollte einfach mal Kontakt mit uns aufnehmen.


WB: Vielen Dank Christian für das Gespräch.

CSinPiper.JPG