Das leistungsfähigste Flugzeug der Standardklasse in den 80er-Jahren? Auf diese Frage fällt den meisten Segelfliegern die LS4 ein. Aber es gibt ein Flugzeug, das sich in Vermessungen als der LS4 eindeutig überlegen erwiesen hat: der Falcon von Hansjörg Streifeneder. Dieses Flugzeug, sowie sein Konstrukteur und Erbauer sind wirklich bemerkenswert, zumal Hanko zuvor bereits Geschichte geschrieben hatte, als er – damals bei Rolladen-Schneider beschäftigt – die LS3 Standard in seiner Freizeit konzipierte und baute. Die LS3 Standard war den damaligen Flugzeugen der Standardklasse so überlegen, dass Wolf Lemke daraus die LS4 entwickelte.
Hansjörg Streifeneder hatte schon immer ein ausgeprägtes Gespür für Aerodynamik und so hat er alle seine früheren Flugzeuge seit den L-Spatz-Zeiten modifiziert. Im Laufe der Jahre kam dann noch ein unglaublicher Erfahrungsschatz hinzu und so versteht er heute das „Gesamtsystem Segelflugzeug“ wie kein Zweiter. Mit seinem Interesse an jeder Leistungssteigerung sowie einem bewundernswerten Einsatz wollte er dann jedoch auch die Leistungen der LS4 noch verbessern. So entwarf und baute er den Falcon nach seiner Rückkehr zu Glasflügel in nur 6 Monaten. Und das alles in seiner Freizeit als privates Projekt. Gebaut wurde in den Räumen von Glasflügel, unterstützt von seinem damals erst 10 Jahre alten Sohn Christian. Der Falcon erhielt einen ungewöhnlichen Flügelgrundriss und ein recht dünnes Profil von Horstmann und Quast, das auf der Unterseite ausgeblasen wird. Am 07.07.1981 hatte der Falcon seinen Erstflug, natürlich mit dem Erbauer im Cockpit.
Auf der Deutschen Meisterschaft 1982 wurde der Falcon eingesetzt und da auch die LS3 Standard teilnahm kam es zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Beide Flugzeuge, die privat entwickelt und gebaut worden waren, platzierten sich unter den ersten 10. Das gab es weder vorher noch nachher jemals. Die Vermessungsergebnisse 1981 und erneut 1995 bestätigten die herausragenden Leistungen des Falcon. Insbesondere im Langsamflug war er der LS4 klar überlegen. Ein Serienbau ist leider an den Wirren in der Endzeit bei Glasflügel gescheitert. Das Flugzeug ist auch nach 40 Jahren in einem Top-Zustand und natürlich bei seinem Erbauer beheimatet. Es steht dort vor allem in den Wintermonaten in der Glasflügel-Galerie, dem einzigen Museum zur Glasflügel Geschichte.
Wolfgang Binz

