Eugen Hänle zum 100. Geburtstag – eine gelungene Gedenkfeier

Eugen Hänle der Pionier der modernen Glasfaserverbundbauweise und Firmengründer der Firma Glasflügel wäre am 05.10.2024 100 Jahr alt geworden.

Es war eine Herzensangelegenheit des Glasflügelfördervereins und des heutigen Musterbetreuers der Flugzeuge von Hänle der Firma Streifeneder in Grabenstetten, den vielen ehemaligen Mitarbeitern vieler Glasflügelfreunde sowie den Familienangehörigen von Eugen Hänle an diesem Tag innezuhalten und seinem Vermächtnis zu gedenken.

Begonnen hatte der Tag am Flugplatz Saulgau nahe der ehemaligen Liegenschaften von Eugen Hänles Firma Glasflügel der früheren Endmontagehalle, dem Zubringerrollweg und der maßgeblich von Glasflügel initiierten Betonpiste des Flugplatzes. Die Geschichte von Glasflügel gibt es hier in Saulgau zum Anfassen. Ein Gedenkstein an den tragischen tödlichen Unfall von Eugen Hänle am 21.09.1975, die  dahinter aufgebaute Std. Libelle S4, dem damaligen Vorführflugzeug von Glasflügel hatte bei der folgenden Gedenkfeier sicher auch einige der anwesenden Glasflügel Freunde zu Tränen gerührt als die Erinnerungen vorüberzogen.

Hans-Peter Mayer nahm die vielen Anwesenden, darunter ehemalige Mitarbeiter von Glasflügel und auch Familienangehörige von Eugen Hänle mit auf eine Zeitreise durch sein Leben. Die Geschichte wie aus einem Schlosserlehrling ein weitsichtiger innovativer Unternehmer und Firmengründer wurde nötigt auch heute noch den größten Respekt ab. Es wurden die epochalen Innovationen der Faserverbundbauweise mit GFK die Eugen Hänle später industrialisierte gewürdigt. Genannt wurde das von Hänle und Hütter entwickelte Strangziehen von Rovings, die Allfiberglasbauweise von filigranen GFK-Bauteilen sowie die lasteffiziente Rovingumschlaufungen an  Holmstummelenden der Tragflügel, der kunstvolle innenliegende Seitenruderantrieb, der böensichere Parallelogramm -Steuerknüppel oder die vollautomatischen Ruderanschlüsse, die ergonomischen Sicherheitscockpits. Die wesentlichen Glasflügelinnovationen dieser Zeit finden sich oft nur wenig abgewandelt bis heute noch in nahezu allen Segelflugzeugen aller Hersteller. H.-P. Mayer schilderte, wie Eugen Hänle die Wünsche seiner Kundschaft mit innovativen Produkten traf und dann in einer Serienproduktion bzw. Manufakturfertigung umgesetzt hat. Die Rennlibelle H 301 sowie die BS1 und auch die 10 gebauten Glasflügel 604 sein hier besonders genannt.

Der erstmalige Großserienbau von GFK Segelflugzeugen gelingt Glasflügel mit der Verlagerung von Fertigungstiefe zu Lieferanten u.a. nach Frankreich und einem späteren Fertigungsverbund zwischen dem Stammwerk in Schlattstall sowie dem Werk in Saulgau. Eugen Hänle war nach heutigen Gesichtspunkten der Fertigungstechnik damals ein Vorreiter einer schlanken und flexiblen Produktion. So war es Glasflügel gelungen die damals sehr hohen Auftragsbestände mit erträglichen Auslieferzeiten für die Kunden abzuarbeiten.

Sehr persönlich wurden die Ausführungen von H.-P. Mayer als er die Tage kurz vor dem tragischen tödlichen Unfall von Eugen Hänle mit seinen eigenen Jugenderinnerungen verwob. So hätte die Auslieferung der ersten beiden Hornets aus der Serienproduktion am 20.09.1975 in Kundenhand doch für ausgelassene Stimmung bei Eugen Hänle sorgen können, was erkennbar nicht der Fall war. Wohingegen Eugen Hänle am Unglückstag, dem 21.09.1975 bestens gelaunt zum Frühstück bei Familie Mayer erschien. Was zu diesem Sinneswandel geführt hat – dies wird wohl niemals mehr ans Tageslicht gelangen.

Es hätte ein schöner Tag werden können ein paar F-Schlepps und ein Rundflug im Anschluß. Es kam leider ganz anders er endete mit dem tragischen Tod von Eugen Hänle am 21.09.75 im Krankenhaus in Ravensburg. Leider verstarb auch einer der drei Passagiere.

Danach begann der Verfall des stolzen Unternehmens und endete 1982 nach mehreren Umfirmierungen mit der endgültigen Abwicklung von Glasflügel. Das alles sehr detailliert im Buch Glasflügel Eugen Hänle – Pionier des GFK Flugzeugbaus von Wolfgang Binz beschrieben über das die Glasflügelgemeinde sehr dankbar ist.

Was können wir tun um das Vermächtnis von Eugen Hänle zur erhalten? Eine Antwort ist die vielen noch vorhandenen Glasflügelflugzeuge zu hegen und pflegen und in ihrem Element zu bewegen. Sowie immer wieder zusammenzukommen – sei es bei den Glasflügel Treffen oder wie bei der Jubiläumsveranstaltung 60 Jahre Erstflug Rennlibelle H 301.

Das hätte auch Eugen Hänle sicherlich gefallen.

Nach Worten vom Segelflugreferent des Bad.Württ. Luftfahrtverbandes Christof Geissler über das Werk Hänles und den Sinn und Zweck des Glasflügel-Fördervereins  wurde es Zeit weiterzuziehen nach Grabenstetten ins Glasflügel Museum von Hanko und Christian Streifeneder.

Nachdem der Mittag in Saulgau einem Rückblick auf Eugen Hänles Lebenswerk gewidmet war, sollte in Grabenstetten der Blick auf die Ereignisse nach dem endgültigen Zusammenbruch von Glasflügel bis heute gerichtet werden. Hans Peter Mayer beschrieb die schmerzliche Situation und unglückliche Konkursabwicklung von Glasflügel mit dem finalen Ende der Produktion trotz gut gefüllter Auftragsbücher für die Glasflügel 304 und die in Planung befindlichen 402.

Die mehrfach von Hans-Jörg Streifenender und Martin Hansen vorgelegten Pläne die Marke Glasflügel fortzuführen sind wie im Buch von Wolfgang Binz angeführt von den Gläubigern leider nicht akzeptiert worden.

Ein großes Glück für alle Besitzer eines Glasflügel Flugzeuges bleibt zumindest die Fortführung der Musterbetreuung durch Hans-Jörg Streifeneder. Und auch hier gab es anfänglich große Widerstände der zum Umzug mit grossen Hürden des LTB Streifeneder von Schlattstall nach Grabenstetten führte.

Hans-Peter Mayer würdigte die Innovationen aus dem Hause Streifeneder sei es im Prototypenbau für die Automobil- als auch für die Luftfahrtindustrie. Genannt sei der  BMW Z1 oder weitere Sonderprojekte unter anderem auch Aufträgen für den Formenbau für Airbus und viele weitere Segelflugzeughersteller, viele Forschungsprojekte, die Fertigungsbeteiligung an dem Projekt ETA und Nimeta, das Fallschirmrettungssystem und die weltweit eingesetzten Abdicht- und Turbulatorenbänder. All das wird neben dem Kerngeschäft im LTB entwickelt und produziert.

Die Glasflügelflugzeuge erfahren Modellpflege durch die Entwicklung und Fertigung von Rumpf-Flügelübergangen, Winglets, neuen Rückenlehnen für Libellen sowie diverser Ersatzteile in der bekannten Glasflügelqualität. All das muß Stück für Stück in langwierigen Abstimmungen vom LBA zertifiziert werden.

Auf ein Projekt nämlich den Albatros geht Hans-Peter Mayer ganz besonders ein wirkt der ausgestellte Rumpf doch schon beinahe flugbereit. Wir alle hoffen, dass dieses ultimative Flugzeuge der Standardklasse bald in die Luft kommt.

Mit der Übergabe der Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft im Glasflügelförderverein dankte dessen 1. Vorsitzender Christian Deubig Hansjörg Streifeneder  dessen Sohn und Nachfolger bei Streifly Christian Steifeneder die Urkunde in Empfang genommen hat, weil Hanko selber nicht anwesend sein konnte  für deren jahrelange Schaffenskraft.

Abschließend erging ein eindringlicher Apell von Hans-Peter Mayer an alle Glasflügelflugzeugbesitzer in den Anstrengungen zum Erhalt  aller Glasflügel Flugzeuge nicht nachzulassen und dies zusammen mit der Hilfe des luftfahrttechnischen Betriebes und dem Musterbetreuer den beiden Herren Streifeneder sicherzustellen!  Nur so können wir Eugen Hänles Erbe in die Zukunft tragen.

Eine weiter Ehrenurkunde erhielt, wie beim der letzten Jahreshauptversdammlung beschlossen Sepp Prasser für sein Lebenswerk.

An eigens von Hans-Peter Mayer mitgebrachten Fondue Töpfen mit der von Eugen Hänle so geliebten Schweizer Spezialität schloss der offizielle Teil der Veranstaltung. Bei Käse, Bier und Wein konnten dann nochmals Erinnerungen, Gedanken und Pläne mit zum Teil weither gereisten Glasflügelfans ausgetauscht werden. Karl Pfister aus Kanada, der ehemalige Glasflügel Konstrukteur Tapani Uoti aus Finnland oder der holländische Thei Bongerts seien hier als am weitest angereist genannt.

Danke dem LTB Streifeneder für die Gastfreundschaft,  allen  angereisten Gäste sowie dem Organisationsteam um Christian Deubig vom Glasflügel Förderverein für die Organisation  und den würdig gefeierten 100. Geburtstag von Eugen Hänle.

Frank Beerhenke

Vielen Dank Frank für Deinen Bericht!
Um nicht nur einzelne Bilder hier anzufügen und die vielen anderen, die unser Fotoprofi Christian Horn bei der Veranstaltung gemacht hat weglassen zu müssen hier der

  Link

zu der Bilddatei. Vielen Dank Lucky!

GF.JPG