Vom 05.06.2025 – 09.06.2025 fand in Aalen Elchingen ein Treffen von Glasflügelfreunden, insbesondere von Haltern einer Glasflügel 304 sowie der Nachfolgeserie dem HpH 304-Shark statt. Das Treffen wurde außerhalb der vom Glasflügelförderverein regelmäßig stattfindenden Glasflügel – FlyIns abgehalten und sollte die Glasflügel- und HpH Fan´s zusammenbringen.
Drei Glasflügel 304 , eine HpH-304, sowie ein HpH 304 Shark FES sowie zwei HpH Twin Shark sind Hans-Peter Mayers Einladung nach Elchingen gefolgt. Vom ehemalige Glasflügelteam waren Tapani Uoti und Albert Metzler Konstrukteur und Prüfer aus Hänles Zeiten, sowie Martin Hansen dem Konstrukteur der Glasflügel 304 dabei.
Auf dem Flugplatz Aalen-Elchingen wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit einem Grußwort des 1. Vorsitzenden des Luftsportrings Aalen Helmut Albrecht empfangen. Nun ist auch klar, dass der Name Härtsfeld von dem harten Ackerboden herrührt, der hier auf der Ostalb normalerweise (darüber später mehr) für die gute Thermik sorgt.
Die Hauptversammlung des Glasflügelfördervereins wurde im Anschluss wie immer kurz und schwungvoll über die Bühne gebracht. Keine personellen Veränderungen, kein Beitrag auch für 2025, inzwischen 143 Mitglieder verteilt auf 4 Kontinenten. Nächstes Glasflügeltreffen ist 2026 in Goch-Asperden EDLG.
Leider spielte das Wetter am Pfingstwochenende nicht so richtig mit. Es gab reichlich Ausflüge in die nähere Umgebung z.B. zu Kloster Neresheim oder nach Nördlingen – gezwungenermaßen mit dem Auto. Geplant wurde der Tag morgens in der Ferienhütte von Hans Peter beim gemeinsamen Frühstück. Viele schöne Stunden folgten des schlechten Wetters geschuldet mit hochinteressanten Gesprächen rund um die Zeiten von Glasflügel in Schattstall und über den tschechischen Segelflugzeughersteller HpH in Kutna Hora.
Helmut Grix Flugschüler Eugen Hänles und Glasflügelkunde der ersten Stunde erzählte Anekdoten und Interessantes aus seinen Anfängen der Fliegerei mit und über die Flugzeuge die er von Hänle bekommen hat. Interessant waren die Einblicke von Marin Hansen in seiner kurze Zeit im Konstruktionsteam von Glasflügel zu dem er als Student hinzugestoßen ist um ein Folgemodell für die Hornet und Mosquito zu erschaffen. Leider war die Resonanz des Segelflugmarktes auf die beiden Muster nicht wie gewünscht, verursacht auch durch mangelnde Kundenpflege und dem fehlenden der Willen der Verantwortlichen die Flugzeuge international durch gezielte Wettbewerbsteilnahme zu puschen.
Hansen wurde die Aufgabe übertragen die Mosquito zu überarbeiten, Konstruktionsprämisse war eine Profiländerung des vorhandenen Mosquito Flügels und einige weiterer Änderungen, wie die der ergonomischen Cockpitgestaltung und des Aufstellmechanismus der Haube. Der neue Flieger wurde mit der bei Glasflügel für die Flugzeuge der verschiedenen Wettbewerbsklassen eingeführten Modellnummer als „304“ bezeichnet, eine Abkehr von der hauseigenen Praxis die Modelle mit sprechenden Namen zu bezeichnen. Damit wollte man „moderner“ wirken (so wie Volkswagen dies mit seinen e-Modellen auch versucht hat und wieder zum alt.en Stil zurück kehren wird ihren Autos gängige Namen zu geben).
Nach 62 gebauten Mustern der 304 endete die Geschichte von Glasflügel. Hansen berichtete wie er gemeinsam mit Hansjörg Streifeneder mehrfach versuchte bei den Banken und dem Konkursverwalter einen Zuspruch für die Fortführung der Flugzeugproduktion zu erwirken. Die Auftragsbücher für die 304 und der bereits im Flug befindlichen 17-m Weiterentwicklung der Glasflügel 402 waren gut gefüllt. Leider kam das wie im Buch von Wolfgang Binz ausführlich erörtert aus verschiedenen Gründen nicht mehr zustande.
Nach einigem Hin und Her wurde der Formensatz der 304 an die Fa. Brauchle im Allgäu, damals vor allem im Segelfluganhängerbau tätig verkauft. Nach einigen wenigen Exemplaren wurde dieser nach Rumänien verbracht in der Hoffnung mit eines dort tätigen Segelflugzeugbauers die Serie fortsetzen zu können
Eine abenteuerliche Flucht von Jaroslav Potmesil mit seinem Skoda 100 kurz vor dem Zusammenbrechen des eisernen Vorhangs aus der Tschechei in den Westen mündete schlussendlich in der Anstellung bei Hoffmann Flugzeugbau. Hier beschäftigte er sich mit dem Serienbau der Hoffmann Dimona und später der Katana und lernte seine Erkenntnisse die er im Bau von überwältigend perfekten Scale-Nachbauten von Flugzeugen erlangt hatte in den „Grossflugzeugbau“ umzusetzen.
„Im Leben muß man immer gute Leute treffen“ ist das Lebensmotto von Jaroslav Potmesil und so ergab es sich dass er auf der Aero 1994 einen Kontakt zu Helmut Brauchle, dem Verwalter des Glasflügel 304 Formensatzes bekommt. Der Handel wurde perfekt und die Produktionsmittel in einer abenteuerlichen Aktion nach Tschechien verbracht. Nach Restaurierung und Ergänzungen der ehemaligen Glasflügelformen und Werkzeuge baute HpH in Kutna Hora 75 HpH-304 die dann auch mit mit 17,4 Meter Spannweite geflogen werden konnten sowie 35 HpH-304 C als Flugzeug der Standardklasse. So manifestiert sich erneut der Innovationsgrad der Glasflügel Grundkonstruktion und Produktionsmittel auch über einem Jahrzehnt nach dem Untergang von Glasflügel. Die Gene von Glasflügel hat Potmesil in seine Weiterentwicklung dem 18-Meter 304-Shark sowie dem 304-Twin Shark einfließen lassen. Die Flugzeuge aus dem inzwischen zu einer der grössten Flugzeugwerke gewachsenen Fabrik sind in ihrer Verarbeitungsqualität und den Toleranzen unübertroffen.
Einen ebenfalls großartigen Einblick in die am Flugplatz Aalen ansässigen Flugzeughalle von Luftraum Süd Karl Friedrich Grimminger war eine weiteres Highlight dieses Treffens. Die Führung von Axel Salat durch die weitläufige Ausstellungshalle war, wie die große Hingabe der Mitarbeiter alle gezeigten Flugzeuge in Top Zustand und vor allem flugfähig zu halten beeindruckend.
Ein Abend mit Christian Streifeneder vom LTB Streifly sowie Linus Maier einem 304 Erstkunden trug genauso dazu bei das schlechte Wetter (fast) zu vergessen. Linus Maier erzählt von seinem 1000 km Flug vom Mai 1990 mit der 304 zu Zeiten als es noch mit Karte und Kompass zu navigieren galt der Ihm sowohl das FAI-Diplom als auch einen spektakulären Aufenthalt auf der Barron Hilton Ranch bescherte. Seine Glasflügel 304 IML befindet sich nach einer Grundüberholung nach einer Betriebszeit von mehr als 7000h bei Streifly, dem LTB von Hansjörg und Christian Streifeneder mit zahlreichen Modifikationen heute in einem Zustand „besser als neu“.
Bei den Ausführungen von Christian Streifeneder spürte man, wie sehr Streifly die Instandhaltung der Glasflügel Flotte am Herzen liegt. Flugzeuge mit einer Betriebszeit von über 60 Jahren, wie bei der H301 Rennlibelle bedürfen zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit einen LTB der einen enormen Aufwand betreibt um die Probleme der Kunden und der Luftfahrtbehörden zu lösen. Christian möchte trotzdem aktuell von der Erhebung einer Betreuungsgebühr, wie sie für ihre eigenen und Flugzeuge anderer Hersteller erhoben wird absehen. Die vielen Glasflügel Baureihen und Bauabweichungen innerhalb der Muster führen hier zu hohem Aufwand und den dadurch verbundenen Kosten beim LTB Streifeneders.
Am Pfingstmontag konnten dann doch noch Flüge einiger Teilnehmer gemacht werden, wobei auch ein belgischer Neukunde von HpH einen Schnupperflug auf einem TwinShark machen konnte um sich die Bestätigung abzuholen, dass er eine wirklich gute Wahl getroffen hat. Zusammenfassend ein voll gelungener Event die Glasflügel 304 und HpH Freunde zusammenzubringen mit vielen gemeinsamen Stunden zum Fachsimpeln und Netzwerken. Sicher nicht das letzte Treffen dieser Art. Danke für die ganze Organisation an Hans-Peter Mayer.
Bilder:
linke Reihe:
2. Bild: Jaroslav Potmesil und Wolfgang Binz, im Hintergurnd Helmut Grix
3. Bild: Albert Metzler, Axel Salat (Mitarbeiter Museum Luftraum Süd) Christian Deubig (1. Vors. GFFv.)
4. Bild: HpH 304-SharkFES
rechte Reihe
1. Bild; Martin Hansen mit Frau
3. Bild Glasflügel 3044. Bild HpH 304-TwinShark







